Hundesportverein Niederböhmersdorf e.V.

Fit und gesund - durch Sport mit dem Hund

Hundesport und Hundezucht in der DDR


Nach dem 2. Weltkrieg war Deutschland zweigeteilt. Am 7.Okt. 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) gegründet. Ab dieser Zeit wurde die Zucht und Ausbildung von Gebrauchshunden in der DDR von Spezialzuchtgemeinschaften (SZG) organisiert und geleitet. Damals unterstand die SZG noch dem VdgB (Verband der gegenseitigen Bauernhilfe). Dies war relativ gesehen die beste Zeit, da sich der VdgB nur wenig in die Angelegenheiten der SZG einmischte. Die SZG arbeitete selbsttätig und führte Zuchtbuch.
1952 wurde die SZG dem Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) unterstellt und später dann 1959 der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) zugeordnet. In der GST wurden alle Rassen zusammengefasst. Von diesem Zeitpunkt an hatte die SZG keinerlei eigene Befugnisse mehr.

Am 30.Sept. 1969 wurde die Sektion Dienst- und Gebrauchshundewesen (SDG) eingerichtet. Ab sofort unterstanden alle Gebrauchshunderassen der SDG. Ein besonderes Augenmerk legte die SDG auf den Deutschen Schäferhund. Ihr Ziel bestand darin, gut ausgebildete, charakteristische Hunde zu züchten um die Polizei und andere Organe der DDR sowie ihrer Bruderländer damit auszurüsten. Die SDG bestand bis zur Wende 1989.

Den Diensthundeführern der DDR standen robuste und einsatzfähige Hunde, verschiedenster Rassen, zur Verfügung. Es gab, die dienstfähigen Riesenschnauzer, die gesunden Dobermänner und Rottweiler. Sogar Boxer und Collies waren noch im Stande Dienst zu tun. Die größte Gruppe bildeten aber die Deutschen Schäferhunde, denen insbesondere unsere Aufmerksamkeit hier gilt: Auf Grund der Trennung Deutschlands von 1949-1990 entwickelten sich auch zwei Populationen von Deutschen Schäferhunden. Im Osten wurden hauptsächlich Dienst -und Gebrauchshunde gezüchtet - erkennbar durch ihre natürliche Schärfe, verschiedenen Farbschlägen (sehr gut pigmentiert bis dunkelgrau und schwarz), ein sehr kompakter Körperbau mit kräftigen und markanten Köpfen.
Im Westen dagegen wurde der multifunktionelle bzw. familientaugliche Hund mit Aussehen wie Kommissar Rex bevorzugt.

Die Sektion Dienst- und Gebrauchshundewesen (SDG), setzte bezüglich der Zucht hohe Maßstäbe. Die Zucht hatte nur zu erfolgen mit temperamentvollen Hunden mit starken Charakter und sehr guten Gebrauchshundeeigenschaften. Sie sollten bis ins hohe Alter gesund sein und keinerlei erbliche Mängel aufweisen. Bevorzugt wurden gut pigmentierte Hunde mit guter Konstitution und großer Ausdauer. Es durften nur rassereine und eingetragene Hunde zur Zucht eingesetzt werden die absolut HD-frei waren. Noch normale oder noch zugelassene Hunde wurden von der Zucht ausgeschlossen. Des weiteren mussten sich alle Hunde im Alter von 12 Monaten sowie die Mutterhündin einer Nachzuchtbeurteilung unterziehen, wo z.B. die Stellung der Ohren, die Zähne, das Temperament, das Vorhandensein der Hoden beim Rüden, Fell, Aussehen sowie die HD Untersuchung überprüft wurden. Dies war Vorraussetzung für den Erhalt der Ahnentafel. Diese Ergebnisse wurden in regelmäßigen Abständen veröffentlicht.

Die Schwerpunkte der zuchtmethodischen Arbeit waren:

1. Nachzuchtbeurteilung:

In ihr wurden 70-80% der eingetragenen Welpen erfasst. Die Ergebnisse ergaben eine genaue Erbwertanalyse der Vater- und Muttertiere. Die jährlichen Nachzuchtbeurteilungen in ihrer Gesamtheit und auch die Vererbungsergebnisse aller Rüden wurden jährlich gedruckt und allen Mitgliedern zugänglich gemacht.

2. Das Wertmeßziffer-System

Bei fast allen Hunden mit ZTP (Zuchttauglichkeitsprüfung) oder Körung ist die WZ (Wertmeßziffer) angegeben. Durch dieses System kann sich ein Leser eines Berichtes, ohne den Hund persönlich zu kennen, auf einen Blick die Charakteristik ableiten.

3. Das Familienleistungsblatt

Es wurde in der Zuchtbuchstelle geführt. In ihm wurden die Vererbungsergebnisse aller in der Zucht stehenden Hündinnen und Rüden festgehalten. Von allen Nachkommen wurden darin die Ergebnisse der Nachzuchtbeurteilung, der Schutzhundprüfungen, der Schauen sowie der Zuchttauglichkeitsprüfungen und Körungen geführt. Mit dem Familienleistungsblatt konnte jederzeit über die Gesamtvererbung der Rüden und Hündinnen Auskunft gegeben werden.

4. Die HD-Bekämpfung

Alle Zuchttiere wurden geröntgt. Die Zulassung zur Zucht wurde auch von den HD-Befunden abhängig gemacht. Die Hunde mit mittlerer bis leichter HD wurden zur gegebenen Zeit aus der Zucht eliminiert, so dass in den letzten Jahren nur mit HD-freien Hunden gezüchtet wurde. Es wurden in der Zucht über 90 % HD-freie Hunde erreicht. Die HD-Vererbung aller Rüden mit sämtlichen geröntgten Nachkommen wurden in jedem Quartal veröffentlicht.

5. Die Boniturzeichen

Die Nachzuchtbeurteiler, Zuchtrichter und Körmeister verwendeten vorgedruckte Boniturkarten; auf der dort enthaltenen Skelettzeichnung wurden alle Körpermerkmale mit einheitlichen Boniturzeichen gekennzeichnet. Die Bonituren wurden durch die Formwertnote und durch die ersten drei Zahlen der Wertmeßziffern ergänzt. Die Boniturzeichen ermöglichen eine sehr gründliche Richterausbildung, sowie eine genaue Beschreibung der Hunde und die Erstellung detaillierter schriftlicher Richterberichte. Der Zuchtleitung lieferten die Boniturkarten wertvolle Informationen sowie Material für Schulungen und Vergleiche.

6. Zuchteignung und Körsystem

Die Hunde hatten sich im Alter bis zu 24 Monaten einer ZTP (Zuchttauglichkeitsprüfung) zu unterziehen. Ab dem 24. Monat konnte dann eine Ankörung für 3 Jahre erfolgen. Erst dann durfte auf Lebenszeit gekört werden.

 

Hundesportalltag

Dem Hundesportler in der ehemaligen DDR stand keine riesige Futtermittel -und Zubehörindustrie zur Seite. Es musste viel improvisiert oder handgemacht werden. Gefüttert wurde zum größten Teil Fleisch , Haferflocken und Gemüse sowie das was vom eigenen Essen übrig war. Wahrscheinlich war das für die Hunde auch das Beste, wenn man bedenkt welche Probleme wir durch die überenergiereiche Fütterung heute mit unseren Hunden bekommen. Welpen wachsen zu schnell und bekommen Skelett-, Muskel- und Fellprobleme. Von Ekzemen und Problemen mit inneren Organen gar nicht zu sprechen. Auch HD wird meiner Meinung nach durch dieses schnelle Wachstum noch mit begünstigt.

Sportanlagen und Spartenheime entstanden meist in Eigenregie was den Hundesportlern, wegen Baustoffmangel, ein hohes Maß an Improvisationstalent abforderte. Keine Probleme hatten sie aber, im Gegensatz zu heute, mit hoher Einsatzbereitschaft ihrer Mitglieder solche Bauvorhaben durchzuziehen. Die Hundesportler waren in ihren Sektionen ortsgebunden , d.h. sie konnten nicht einfach Vereine hin und her wechseln.

Standen Wettkämpfe außerhalb des Ortes an, konnte man nicht so einfach, wie heute, seinen WT-Hänger an`s Auto hängen und losfahren, denn oftmals hatte man nicht mal ein Auto. Dann hieß es, wenn man Glück hatte, mit mehreren rauf auf den LKW. Oder Bahn fahren war angesagt. Zuvor hatte man, wenn man den Bezirk verlassen wollte, aber seinen Hund dem Amtstierarzt vorzustellen. Da aber der Hundesport staatlich organisiert war, gab es nicht die Probleme zu Wettkämpfen von der Arbeitsstelle frei zu bekommen. Der Umgang miteinander war ehrlich und robust. Die Vereine wurden des öfteren zu Einsätzen zur Erhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit hinzugezogen (z.B. zur Sicherung von Bahnhöfen bei Fußballspielen). Viele der Hundesportler waren bei der Polizei bzw. Hilfspolizei.

Auch sportlich gesehen wurden Hund und Hundeführer einiges abverlangt.

ausgebildet wurde in:
Fährtenhund FH 1-3
Schutzhund 1-3
PSH 1-3(Polizeischutzhund)
PFH 1-3(Polizeifährtenhund)
Die Ergebnisse wurden in die Ahnentafel eingetragen!

Auszüge aus der PO BH

Voraussetzung für alle Prüfungsarten war die Begleithundeprüfung. Allgemein ist hier zu sagen, es wurde nicht so viel Wert auf absolute Sauberkeit der Ausführung gelegt, wie wir es heute kennen. Die Ausführung war ausschlaggebend. Vergleichen könnte man es heute noch mit dem KNPV- Programm in Holland. Besonderes Augenmerk legte man auf den Schutzdienst. Hier waren Hunde mit Schneid und Mut gefragt, da der Stockschlag auch hier vor dem Anbiss kam. Und Stockschlag war auch so gemeint, da der Stock vom Haselnussbaum nebenan stammte. Es gab noch kein Wedeln mit einer Schaumgummifitsche wie heute. Markant war der Oberarmbiss. Auch der Stirnangriff frontal auf den Hund machte seinen Namen alle Ehre. Der Hundeführer musste seinen Hund 1min. ablegen und aus der Sicht gehen. Bei SchH1 erfolgte der Angriff dann auf 5m - bei SchH3 auf 10m Entfernung. Der Hund hatte den Helfer so lange zu bewachen bis der HF am Hund war. Reviert wurden 10 Verstecke ! Sechs vorwärts und vier zurück.

Apportiert wurde einmal ebenerdig, springend über eine 1,00m Hürde sowie über eine 1,80! hohe glatte Wand. Klettersprung! Kein Überlaufen einer hügelartigen Kletterhürde wie heute! Die Apportierübung heute konzentriert sich auf eine -sitz gerade und knautsche nicht- Übung!

Dazu kam noch das Überlaufen eines Schwebebalkens sowie eine Kriechübung. Diensthunde erlernten noch das Klettern von Leitern und Treppen.

Gefährtet wurde auf natürlich verlaufenden Bodenverhältnissen. Es konnte schon mal eine Bahnlinie dazwischen liegen. Unbefangenheit wurde auch schon mal am vorbeifahrenden Zug überprüft. Hinzu kam, daß die Hunde nach der FH-Prüfung einen Schutzdienstteil zu absolvieren hatten.